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Nachrichten | 17.02.2009
LIEBESBRIEFE

"So viele Grüße wie es Fische im Meer gibt"

Auch wenn sie ein wenig aus der Mode gekommen sind, haben sie nichts von ihrer Romantik eingebüßt: Liebesbriefe. Dass sie ihren Verfassern schon immer auch ein gutes Maß Kopfzerbrechen bereitet haben, beweist das bisher älteste bekannte Handbuch zum Schreiben von Liebesbriefen aus dem 12. Jahrhundert. Entdeckt wurde das lateinische Werk aus Pergament von Forschern der Universitá di Siena in der Biblioteca Capitolare in Verona. Es trägt den Titel "Modi Dictaminum" und Leitfaden für das Briefeschreiben.

Ein Kapitel widmete der Autor, ein gewisser "Guido", den Liebesbriefen. Der Geistliche aus Casentino gibt darin Turteltäubchen weisen Rat, ihre Herzensbotschaft fachgerecht zu Papier zu bringen. Dabei empfiehlt er den geneigten Lesern allerlei romantische Formulierungen – so wie diese: "Meine Liebe zu dir ist so tief, dass ich sie mit Worten nicht auszudrücken vermag, könnte auch jede Membran meines Körpers sprechen." Des Weiteren legt er Verehrern ans Herz, die Schönheit der Angebeteten mit wertvollen Edelsteinen zu vergleichen.

Besonders spannend ist, dass der mittelalterliche Experte in Liebesfragen auch Ratschläge für seine weibliche Leserschaft bereit hält. Spannend deshalb, weil Guidos Überlieferung damit beweist, dass bereits im 12. Jahrhundert auch viele Frauen des Lesens und Schreibens kundig waren.

Tabea Rueß
LESERBRIEFE

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