Die Olympier und ihre Abenteuer sind also keine Erfindung von Homer und Hesiod, wie bislang vermutet. Allerdings brachten die griechischen Dichter um 700 v. Chr. Ordnung in die verworrene Welt der Mythen und strukturieren so das antike griechische Brauchtum. Im Unterschied zu anderen alten Religionen wie dem Hinduismus oder dem Judentum kennt die griechische Mythologie jedoch keine Offenbarungen oder spirituellen Lehren. Ihre Kulte basierten auch nicht auf festen Geboten oder heiligen Schriften – ein Grund, warum sich das Christentum im 4. Jahrhundert gegen die alten Riten durchsetzten konnte, als der letzte altgläubige Kaiser Julian Apostata sie wieder zur ersten Religion im Römischen Reich machen wollte – und scheiterte.
Eine zweite überraschende Nachricht hätte Kaiser Julian sicher gefreut: Die Mythen bestehen nicht nur in Geschichtsbüchern fort – am Fuße des Lykaion und an vielen anderen Orten in Griechenland verhilft eine Gemeinschaft neuer Heiden, die ELINAIS, den ins Reich der Legenden verbannten Kulten zu neuem Leben. Derzeit kämpft sie darum, ihre „Götterdienste“ an den antiken Stätten Apollons, Athenes oder Aphrodites abzuhalten. Der Staat untersagt dies jedoch. Der Grund: Die Tempel seien Kulturerbe, keine Kirchen.
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