Leichenpredigten
Texte für die Ewigkeit
Gedruckte Begräbnisreden sollten im 17. und 18. Jahrhundert die Hinterbliebenen trösten. Heute nutzen Historiker diese Leichenpredigten, etwa um die Wanderrouten von Gesellen der Frühen Neuzeit zu rekonstruieren und andere Forschungslücken zu schließen.
Die Predigt, die Pfarrer Philipp Kröber bei der Beerdigung in Lehesten hielt, wurde auf das für diese Zeit typische, solide, etwas steife und ein wenig filzartige Papier gedruckt, das Abt selbst hergestellt hatte. Sie ist ein Beispiel für eine Quellengattung, die vor allem in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihre Blütezeit hatte und bereits 100 Jahre später ihren Niedergang erlebte. Die hohen Kosten für eine übliche Druckauflage von 100 bis 300 Exemplaren konnten sich in der Regel jedoch nur wohlhabende Bürger – zu denen auch Papiermachermeister zählten – und Adelige leisten


Jörg Witzel ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität Marburg.
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