Die erste Möglichkeit wirkt sich auf die Lagerung der sauren Papiere aus: Sie müssen kühl und dunkel bei gleich bleibender Temperatur untergebracht werden. Die zweite ist aufwendiger: Restauratoren spalten Seite für Seite die einzelnen Blätter und stabilisieren sie mit einer Zwischenschicht, die zuvor mit einer alkalischen Lösung getränkt wurde. Bei der dritten Möglichkeit werden große Mengen von Büchern gleichzeitig behandelt. Seit den 1990er Jahren haben sich Firmen darauf spezialisiert, Bücher in wässrigen und nicht-wässrigen Flüssigphasen- oder Trockenverfahren in 40- bis 50-Kilogramm-Chargen zu entsäuern.
Mittlerweile durchlaufen jährlich 200 000 Bücher diese Art der Massenentsäuerung. Während Anbieter wie die Preservation Academy Leipzig (PAL) das Verfahren loben, weil es einfach und schnell ablaufe und mit geringen Nebenwirken auskomme, warnen Ausbildungsstätten für Restauratoren wie die Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart vor zu hohen Erwartungen. Eine wissenschaftliche Studie zur Qualitätskontrolle bei der Massenentsäuerung forderte einheitliche Bewertungskriterien. Das Deutsche Institut für Normung reagierte und empfahl, dass der pH-Wert eines entsäuerten Buchs bei 7 oder höher liegen müsse.
Von den Blatträndern ausgehend verfärben sich die Seiten braun und werden spröde: Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart hat mittlerweile 80 laufende Meter von zeitgeschichtlich bedeutenden Zeitschriften und Büchern massenentsäuert. Die Bedenken der Mitarbeiter, dass Foto- und Farbseiten beschädigt werden könnten, haben sich als überflüssig erwiesen.
Doch Bibliotheken kämpfen neben dem finanziellen Aspekt der Bestandserhaltung mit einem anderen Problemen: Selbst das Massenverfahren läuft nicht automatisch ab, das Aus- und Einbuchen, die Vorauswahl und die Kontrolle nehmen enorm viel Zeit in Anspruch. Und weil es kein zentrales, deutschlandweites Verzeichnis der Bibliotheksbestände gibt, muss aufwändig recherchiert werden, um herauszufinden, ob die bestimmte Ausgabe eines Buchs überhaupt erhalten werden muss – oder sich leicht ersetzen lässt.
Über epoc:
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