"Europa ist auf der Pilgerschaft geboren, und das Christentum ist seine Muttersprache", soll Johann Wolfgang von Goethe einmal gesagt haben. Mit dieser Einschätzung traf der Dichter und begeisterte Reisende ins Schwarze. Kaum etwas hat die Infrastruktur Europas so geprägt wie die unzähligen Pilgerwege, auf denen Gläubige im Mittelalter unterwegs waren, um zu danken, zu bitten und zu bereuen. Schließlich glaubte man, Gott und die Heiligen würden einem peregrinus (lateinisch: in die Fremde Reisenden) eher beistehen als einem gewöhnlichen Bittsteller.
Das Phänomen als solches ist dabei keine Erfindung der Christen: Die jüdische und die heidnische Volksfrömmigkeit boten bereits ausreichend Formen, die übernommen und angepasst werden konnten. Seinen Ursprung hatte das christliche Pilgern im Besuch der heiligen Stätten in Jerusalem. Im 13. Jahrhundert erlebten dann auch die vielen europäischen Wallfahrtszentren einen Aufschwung. Allein nach Santiago de Compostela reisten von 1250 bis zirka 1500 rund 500 000 Gläubige
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