An ein friedliches Ende der Toten von Herxheim will Bruno Boulestin nun nicht mehr glauben. Der Anthropologe von der Université Bordeaux hat an etlichen der Knochenreste Schnitt-, Kratz- und sogar menschliche Bissspuren nachgewiesen. Viele Knochen seien zudem mutwillig zertrümmert worden. Von den Schädeln fanden sich oft nur die Decken. Boulestin ist überzeugt: Hier wurden über Jahrzehnte hinweg Menschen getötet, zerstückelt – und verzehrt. Viele der Gebeine ähneln demnach den Knochen von am Spieß gebratenen Tieren.
Womöglich seien die kannibalischen Praktiken Teil von rituellen Zeremonien gewesen. Es könne aber auch sein, dass die Menschen der so genannten „Linienbandkeramik-Kultur“ aus blanker Not handelten. Denn jene frühe bäuerliche Gesellschaft litt regelmäßig unter schweren Hungersnöten. Bereits 1986 hatten Archäologen in einer französischen Höhle ähnliche Hinweise auf kannibalische Riten in der Steinzeit entdeckt.
Nicole Mai





drucken



Natur des Glaubens |
Gute Geschäfte |
Con Text |
Vergangenheitsstaub |
Hinter-Gründe | 




