»Israel«, »Palästina«, »Land der Juden« – hinter unterschiedlichen Begriffen, die jene Gegend bezeichnen, in der heute wieder ein jüdischer Staat existiert, verbirgt sich auch die Geschichte der Juden in ihrem eigenen Land. Nach christlich-theologischem Verständnis endete der Staat Israel, als die Juden Jesus ans Kreuz brachten sowie mit ihrem letzten großen Aufstand gegen die römische Besatzung etwa vier Jahrzehnte später. Mit der Umbenennung des Landstrichs in »Provinz Palästina« wollten die Römer die historische Erinnerung an die Juden löschen. Geschichtlich hatte dieser Raum seit dem Untergang der jüdischen Selbstständigkeit in römischer Zeit bis zum englischen Mandat in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts keine politische Eigenständigkeit.

Im Kampf gegen die Großmacht Rom hatte Israel im Jahr 70 n. Chr. sein Nationalheiligtum, den Jerusalemer Tempel, verloren, das geistige Zentrum, nicht nur für das Volk im Heiligen Land selbst, sondern auch in der Diaspora, die bereits Jahrzehnte zuvor eingesetzt hatte. Die jüdische Diaspora hatte schon viel früher eingesetzt, als der Tempel noch bestand.