Der heftige Streit der Anthro­pologen um die geografischen Wurzeln des modernen Menschen hat die sachliche Ebene längst verlassen. In den zwei Jahrzehnten, die dieser Kampf tobt, haben sich die Lager nichts geschenkt. Erst jüngst verkündete der amerikanische Paläoanthropologe Milford Wolpoff, ein Hauptgegner des "Out-of-Africa-Modells", dass er und seine Mitstreiter nie klein beigeben würden.

Dabei sprechen die Fakten immer ­klarer für diese These, wonach der mo­derne Mensch – der anatomisch moderne Homo sapiens – in Afrika entstand und sich erst später auf die anderen Kontinente ausbreitete, wo er die dortigen archaischen Menschenformen ablöste. Für die dazu konträre Ansicht, zu deren Begründern Wolpoff von der Universität von Michigan in Ann Arbor gehört, finden sich bei nä­herer Prüfung kaum stichhaltige Belege. Nach dieser Auffassung, "multiregionales Modell" genannt, geschah die Evolution zum modernen Menschen sowohl in Afrika als auch in Europa, Ostasien und Australasien, also in den verschiedenen Regionen, in denen Frühmenschen lebten. Die Vorfahren der Europäer wären dann hauptsächlich die Neandertaler, die der Ostasiaten und Australier etwa der Peking- beziehungsweise der Java-Mensch.

Warum eskalierte diese Auseinandersetzung dermaßen, dass wissenschaftliche Veranstaltungen zu emotionsgeladenen Spektakeln um Stimmenfang ausuferten? Als einer der Urheber des Out-of-Africa-Modells habe ich verfolgt, wie sich manche Standpunkte angesichts neuer Fakten verschoben, wie Strohmänner errichtet und nie behauptete Extrempositionen unterstellt wurden. So war das Afrika-Modell von Anfang an viel differenzierter gemeint, als unsere Gegner – und die Medien – es oft darstellen.

Ein zentraler Streitpunkt dieser Debatte betrifft die Frage, wie eng Asiaten, Australier, Europäer und Afrikaner miteinander verwandt sind. Bei einer jung