Der europäische Nachrichtenkonsument verbindet mit dem Sudan hauptsächlich Bürgerkrieg und Hungerkatastrophen. Angesichts dieser bedrückenden Bilder und Meldungen fällt es schwer sich vorzustellen, daß der flächenmäßig größte Staat Afrikas – immerhin siebenmal so groß wie Deutschland – einst ein Brennpunkt der zivilisatorischen Entwicklung war, durchaus vergleichbar mit den anderen antiken Hochkulturen in Mesopotamien, Ägypten und Griechenland.

Die archäologische Erforschung des Sudan begann zwar bereits im 19. Jahrhundert, doch beschränkte sich der europäische Blickwinkel lange auf den überwältigenden Fundreichtum des nördlichen Nachbarlandes Ägypten. Erst die zum Teil spektakulären Rettungsaktionen für antike Bauwerke anläßlich der Errichtung von Staudämmen lenkte die Aufmerksamkeit wieder auf Nubien, die Region zwischen Assuan und der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Und erst vor wenigen Jahren konnte nachgewiesen werden, daß die neolithischen Kulturen am oberen Nil denen am Unterlauf zeitlich vorangingen. Somit ist eine der Wurzeln der altägyptischen Kultur und der Pharaonenreiche im Gebiet des heutigen Sudan zu suchen. Andererseits reichte der Einfluß dieser Region bereits in frühesten Zeiten weit nach Süden in den afrikanischen Kontinent hinein. Der Sudan war offenbar seit jeher das Bindeglied zwischen der weißen Bevölkerung im Norden und den dunkelhäutigen Bewohnern Schwarzafrikas. In dieser Rolle war er aber auch stets Spannungen ausgesetzt, weil unterschiedliche Ethnien, Sprachen und Religionen aufeinanderprallten – Spannungen, die sich über die Jahrtausende hinweg fortsetzten und bis in die heutige Zeit hinein reichen.


Frühe Kulturen



Schon früh in der Geschichte dürfte das Niltal eine große Bedeutung für Wanderungsbewegungen des Menschen und für Handelsverbindungen gehabt haben. Jedoch sind nur wenige Gräber und Artefakte aus dem Paläolithikum bekannt; hier steckt die archäologische Forschung noch in ihren Anfäng