Jademasken, für die man sonst nach Mittelamerika reisen muss
"Als Ethnologin liegt mir viel daran, das Fremde anderer Kulturen einem breiten Publikum zu vermitteln, und nachdem in der Zeit seit der letzten Ausstellung vor 15 Jahren die Schrift der Maya entschlüsselt werden konnte, gibt es eine Menge neuer Erkenntnisse über diese Kultur", schwärmt die Kuratorin.
Der Focus der Ausstellung liegt auf der klassischen Epoche (6. bis 10. Jahrhundert n. Chr.) im Tiefland von Mexiko und Guatemala. Die Exponate decken alle Lebensbereiche von Landwirtschaft über Königtum, Religion und Architektur ab und schlagen sogar einen Bogen zu den Maya von heute.
Zu Beginn taucht der Besucher ein in das Dunkel des Dschungels, Rufe exotischer Vögel erklingen. Zur perfekten Illusion fehlen nur noch die Urwaldpflanzen und die regenschwangere feuchtheiße Luft der Tropen. Vorbei an großformatige Modellen der Tempelanlagen und Video-Installationen geht es auf eine Zeitreise 1500 Jahre zurück.
Metropolen mit 125 000 Einwohnern
Zwar haben die Maya der Nachwelt mit Schriftzeichen reich verzierte Stehlen und Stuckreliefs hinterlassen, aber die Forscher tappten über deren Bedeutung lange Zeit in Dunkeln. Erst seit wenigen Jahren ist die Hieroglyphenschrift weitgehend entschlüsselt und das ermöglichte Archäologen und Ethnologen eine innere Sicht auf die Kultur und die politische Organisation der Maya. "Vor der Entzifferung der Hieroglyphen wussten wir nur, dass es Stadtstaaten gab mit einem König an der Spitze, aber wussten nichts über die Hierarchie", so Inés de Castro. "Mittlerweile kennen wir die Herrscher mit Namen und verstehen auch die Beziehungen zwischen den Stadtstaaten."
Die Könige gingen strategische Allianzen mit anderen Königreichen ein oder kämpften um die Kontrolle der Handelswege. Das Königtum wurde auf die Nachkommen vererbt und eine geschickte Heiratspolitik gehörte genauso zum diplomatischen Repertoire der Mayakönige wie die Entführung eines Gegenspielers, damit dieser keine Thronfolger zeugen konnte. Die Maya-Supermächte Tikal und Calakmul kämpften über ein Jahrhundert um die Macht, ehe Tikal den Kampf im Jahr 695 n. Chr. für sich entscheiden konnte. Die altamerikanischen Herrscher standen also auch in Sachen Machtpolitik den Europäern um nichts nach.
Experimentierfreudige Götter
Könige mit 13 Seelen
Das Jenseits: Unterwelt oder Parallelwelt?
Ob das "Jenseits" der Maya wirklich eine Unterwelt war, ist unter den Forschern allerdings umstritten. Ramón Carrasco dazu: "Das Jenseits der Maya, die andere Realität, wird nur aus Gründen der Konvention in der archäologischen Literatur meist als "Unterwelt" bezeichnet." Es könnte also Durchaus auch ein "Nebenan" sein, was die Existenz eines Paralleluniversums erlauben würde.
Die Postklassik: Dekadenz oder Emanzipation der Mittelschicht?
Drei-Steine-Herd und Schrift-Webstuhl
Viele Rituale, die heute noch praktiziert werden, lassen sich nahtlos mit den in Codices und Reliefs bezeugten Praktiken der Maya-Antike verknüpfen. Trotzdem ist die Kultur nicht konserviert. Die modernen Maya sind durchaus offen für die Einflüsse der westlichen Welt. So hat sich beispielsweise sehr schnell das Maya-Wort kematz'iib' für Laptop etabliert, was so viel heißt wie Schrift-Webstuhl.
Seit Rigoberta Menchú Tum vor 15 Jahren den Friedensnobelpreis für ihren unermüdlichen Einsatz für die Indígenas erhielt, schaut die Weltöffentlichkeit nach Guatemala. Die Nobelpreisträgerin will bei der Wahl im September Präsidentin ihres Landes werden. Und bis zur übernächsten Wahl im Jahr 2011 könnte es möglicherweise eine regierende Indígena-Partei unter ihrer Führung geben – munkelt man in den so genannten "gut unterrichteten Kreisen", die zur Ausstellungseröffnung sogar nach bis nach Rosenheim reichten.
Die Ausstellung "Maya – Könige aus dem Regenwald" ist noch bis zum 3. Oktober im Lokschuppen Rosenheim zu sehen. Danach geht sie vom 18. Oktober bis 13. April 2008 nach Hildesheim ins Roemer- und Pelizaeus-Museum.









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